Salz

Die Familie hat sich irgendwie damit abgefunden. Der Junge ist
mittlerweile 10 Jahre alt, gesund, spielt auch gerne, lacht, spricht
aber nicht. Kein Wort.

Die Ärzte konnten keinen Defekt feststellen – wie gesagt, er ist
gesund. Spricht halt nicht. Was soll man da machen?

An diesem bewussten Tag kommt er von der Schule nach Hause, stellt
seinen Ranzen im Zimmer ab, schlüpft in die Hausschuhe und setzt sich
an den Mittagstisch. Die Mutter hat eine frische Suppe gekocht. Mit
Flädle. Eine seiner Leibspeisen!

Sie schöpft ihm Suppe und geht noch mal in die Küche, um das Brot zu
holen. Von dort hört sie seinen Löffel im Tellerboden aufsetzen,
danach das Schlürfen. Dann ist es für einen Moment still.

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Espresso, bitte!

Ich hatte sie alle. Die schlanken Schicken, die Billigen, die Altbackenen, die, die es „immer ohne” und die, die es „nur mit” machen. Und natürlich die, die immer schon brav taten, was man von ihnen wollte. Ich hatte sie alle. In dieser Hinsicht bin ich wohl ein Schwein.

Aber immer hatte ich das Gefühl, jetzt die Richtige gefunden zu haben. Schwärmte uferlos und kostete sie aus – immer und immer wieder. Mehrmals am Tag. Und doch hielt die Liebe nicht.

Vielleicht war ich ohne es zu wissen (oder zu wollen) immer schon der (eher) Treulose, der Vagabund, der Unstete. Aber jetzt, da ich die Richtige gefunden habe, die, der ich schon vor einiger Zeit aufrichtig die Treue geschworen und selbiges nie bereut habe, die hat mir heute Gelegenheit gegeben, zu erkennen, wieder mal, wie sehr sich die Prinzipien des Lebens in allem offenbaren.

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Was siehst du?

Es dauerte eine Weile, bis sich Theresas Blick klärte. Die Sonne stand schon tief und doch blitzten und glitzerten ihre Strahlen wie tanzende Funken über die Oberfläche des kleinen Sees. War sie eingeschlafen gewesen?

Sie hatte sie gar nicht kommen hören. War so tief in ihren Gedanken versunken gewesen, dass sie nicht mal merkte, dass sich jemand zu ihr auf die Parkbank gesetzt hatte!

Ein sonderbarer Duft hatte sie in diese Gegenwart geholt, ein Geruch. Nicht unangenehm, nein, gar nicht, aber doch fremd. Ein Geruch, der einen Unterschied machte, einen, den man hier und jetzt nicht erwarten würde, an einem Spätnachmittag hier am Teich. Man würde das leicht schlammige Wasser riechen, und das Gras. Manchmal auch ein bisschen Blumenduft, den ein kühler Wind nach Süden verteilte. Die Enten, die über das Wasser trieben und nach Brot schnappten, das Spaziergänger ihnen zugeworfen hatten, hatten auch einen ganz typischen Geruch. Alles das nahm man eigentlich gar nicht wahr – weil man es erwartete – und wenn man diese Düfte doch wahrnahm, war man nicht überrascht. Es gehörte eben hier her. Aber der Geruch der Fremden? Er war interessant – und doch fremd. Sie konnte nicht herausfinden, woran sie dieser Geruch erinnerte! In jedem Fall fesselte sie dieser … Duft.

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Ein wunderbares Leben

Mit durchschnittlich deformierten, gesellschaftskonformen Augen betrachtet, hatte sie immer schon eine leichte Macke gehabt, zugegeben. Wer sich allerdings die Mühe machte, näher zu kommen, sie besser kennenzulernen, sie aus der Schublade rauszulassen, gewann einen anderen Eindruck.

Wie auch immer, nachdem sie mit großem Stolz ihre Ausbildung zum Heilpraktiker abgeschlossen hatte (und wohl die gesamte Nachbarschaft dabei tuschelnd und kopfschüttelnd mit den Augen rollte) zeigte sich, dass das alles nicht so einfach war. Die Idee im weißen Kittel Rücken abzuklopfen wollte wohl nur mit entsprechenden Praxisräumen gelingen – die sie auch anmietete … aber schon bald mangels Patienten schließen musste. Shit happens.

Ein paar Jahre gingen ins Land, waren es fünf? Oder mehr? Egal. Jedenfalls hatte das Leben zwischenzeitlich rauh mit ihr gespielt. Zumindest kam es ihr so vor. Die Idee der Naturheilpraxis war natürlich längst vergessen – man muss schließlich Niederlagen auch hinter sich lassen – und außerdem gibt es so viele andere interessante Dinge, mit denen man sich beschäftigen kann. Eine Igel-Station, beispielsweise. Das machte ihr schon viel Spaß.

Na ja, und um Leben zu können, hatte sie eine Putzstelle angenommen. Das war jetzt nicht wirklich ihr Ding, aber was sie hatte, war ein etwas fortgeschrittenes Alter und was ihr fehlte, war eine gesellschaftskonforme Ausbildung – was also blieb ihr übrig? Man nimmt, was man kriegen kann. Immerhin, gelegentlich, wenn jemand mit ihr erzählte, so zwischen Schreibtisch abwischen und Papierkorb ausleeren, konnte sie sagen, dass sie eigentlich ja nicht nur eine Igel-Station hatte, sondern Heilpraktikerin war …

Und doch hat jeder einen Punkt, an dem etwas in einem bricht, über den hinaus man sich nicht biegen lassen kann. Den Auftakt bildete ein Gespräch, das sie mit dem Personaler der Firma hatte, in der sie putzte. Die Zeiten seien hart, für alle, da müssten wohl auch alle ein bisschen zurückstecken – auch sie. Also gab man ihr noch mehr Arbeit – eine weitere Halle mit Büros, die man angemietet hatte, musste auch sauber gehalten werden, und eine kleine Gehaltskürzung – also natürlich im Rahmen – die müsse sie halt schon in Kauf nehmen. Man habe sich Angebote von Fremdfirmen eingeholt …

Das tat weh – aber welche Alternative hatte sie? Der Knackpunkt aber kam eine Woche später. Sie hatte gerade die Fenster geputzt, als der Inhaber der Firma, der es wohl gerade nicht so gut ging, auf seine nagelneue Harley stieg und mit einem Kollegen, der an einem anderen Fenster stand, flachste. Wie er denn diese geile Maschine fände, rief er vom Parkplatz hinauf. Habe er letzte Woche gekriegt. Saugeiles Teil. Er habe auch gleich zwei Maschinen gekauft, so dass er mit seiner Frau am Wochenende auch mal ‘raus könne … Er saß auf seinem Motorrad, grinste übers ganze Gesicht, ballte die Faust, reckte sie steil in die Luft und rief: „Das Leben ist wunderbar!”

In ihr brach etwas entzwei. Ganz leise, aber nichtsdestotrotz sehr schmerzhaft. Sie stand bei geöffnetem Fenster, den Putzeimer samt Wischer vor sich, und weinte. Leise. Bewegungslos. Dicke Tränen. Das Leben ist wunderbar!

„Das Leben ist ein großer Haufen Scheiße!” schrie sie laut hinaus, als sie in ihr altes Klapperauto geklettert war, um nach Hause zu fahren. „Nix wunderbar! Scheiße!”

Und mit jedem Meter, den sie fuhr, rollte dieser verdammte Satz durch ihr Gehirn: „Das Leben ist wunderbar! Das Leben ist wunderbar!”

Wieso war es ihr Leben nicht? Wieso war sie so weit unten angekommen? Was, verdammt nochmal, machte sie denn falsch? Was musste sie machen, um auch ein wunderbares Leben zu haben?

In dieser Nacht konnte sie nicht schlafen. Schon der Sorgen wegen. Die Gehaltskürzung war eigentlich nicht zu stemmen. Sie musste etwas ändern. Irgendwas!

Als sie am nächsten Morgen halb tot vor Müdigkeit im Bad vor dem Spiegel stand und sich lange anschaute, stellte sie fest: Alte, du siehst scheiße aus! Du hast dich gehen lassen!

Stimmte nicht wirklich, hatte aber einen wahren Kern.

„Herrgott nochmal,” sagte sie laut zu ihrem Spiegelbild. „Du bist Heilpraktiker – was hast du aus dir gemacht? Wieso siehst du so unglücklich aus? Und wie du dich anziehst? Und was du alles vor dich hindenkst – was soll denn das?!”

Und was wäre, wenn sie jetzt ihre eigene Patientin wäre? Was, wenn sie jetzt eine Patientin hätte, die ihr sagte, sie sei so erschöpft, so müde und abgekämpft, so deprimiert und niedergeschlagen – so ohne jede Hoffnung: Was würde sie raten? Wie würde sie da dran gehen, zu helfen? Welche Schlussfolgerungen böte diese Anamnese?

Und dann hielt sie den Atem an. Ihr Herz klopfte so laut, dass es die Nachbarn hören mussten! Sie schaute ihre Patientin an, die immer noch so niedergeschlagen aus dem Spiegel schaute, deren Gesichtszüge aber sich zu straffen begannen – und dann schrie sie es heraus! So laut sie nur konnte: „Das Leeebeeen iiiist wuuuunderbaaaar!”

Da draußen gab es Millionen von Menschen, deren Leben einfach nicht wunderbar sein wollte – weil sie zu vieles zuließen, das sie davon abhielt, das Wunder ihres Lebens zu erkennen und anzunehmen. Und bei jedem war es etwas anderes!

Am besten fing man damit an, den einzelnen Menschen genau zu betrachten! Wie geht es ihm körperlich und was ließe sich hier verbessern? In welcher Gefühlslage befand er sich überwiegend – und welche Ursachen konnte das haben? Wie konnte man denen beikommen? Wie dachte dieser einzelne Mensch? Und wie ließen sich diese Muster brechen?

Und am besten machte man diese Anamnese bei den jeweiligen Leuten zu Hause – nicht in einer Praxis – da würde man auch sofort sehen, wie sie ihr Leben (= Wohnung) gestalten.

Gütiger Himmel! Sie war doch Heilpraktikerin, oder nicht? Und war das nicht auch Heilung, die sie hier anbieten konnte? Eine ganz praktische und individuelle noch dazu? Und wer sagt, dass man seine Problem nur für sich selbst hat?

Jetzt war ihre Ausbildung abgeschlossen und sie konnte ein Angebot machen – eines, zu dem sie mit absoluter Überzeugung stand.

Ist Ihr Leben auch wunderbar? Vieles lernt man miteinander besser. Telefon …

Herkules-Spieß?

Gehen Sie gerne griechisch essen? Und? Hat der Grieche bei Ihnen um die Ecke auch den Herkules-Spieß und die Odysseus-Platte? Und den Gyros? Tzaziki? Oder umgekehrt gefragt: Kennen Sie einen Griechen, der eine wirklich kompromisslose Küche anbietet – so, wie Griechen essen bzw. kochen?

Griechen haben eine absolut interessante Küche, die viel mehr bietet, als Schweinefleisch vom Gyros-Grill! Wenn man Griechen aber danach fragt, werden sie sagen, die Deutschen wollen nix anderes. Es ist ihre Vorstellung von ,,Angebot für die Kunden.”

Wissen Sie was ich glaube? Oft trauen sich Griechen (Italiener, Chinesen, Türken etc.) nix anderes!

Aber es geht auch anders!

In der nächst größeren Stadt hier gibt es eine Kneipe – nein, eigentlich ist es ein Restaurant (oder doch eine Kneipe?), in dem ausschließlich Bierzeltgarnituren stehen. Seit Jahren schon! Der Laden ist immer voll. Karte? Ja, gibt es … stehen aber nur drei Sachen drauf: ‘n Eintopf, Rumpsteak mit Zwiebel und noch Wiener Schnitzel – die echten, versteht sich. Außerdem können Sie Pils zum Trinken haben, oder einen(!) Wein – oder Wasser. Ende. Kinder? Kein Platz für Kinder. Essen sie mit Ihren Kindern woanders. Hat der Wirt ‘was gegen Kinder? Nein, es ist nur zu kompliziert – darauf hat er keinen Bock!

Einfache, klare Geschichte!

Seine Vorstellung von Essen und Kneipe sind ziemlich einfach und klar umrissen:

„Ich mag es, wenn sich die Gäste zusammenhocken. Nicht zwei an diesem Tisch und drei am nächsten. Nein. Ich will es wie im Festzelt. Das Essen muss natürlich gut sein und bezahlbar, aber nicht überkandidelt (wie man hier sagt).”

Das nenne ich Kompromisslosigkeit in Kombination mit einem klaren Statement:

Das Leben ist ein Fest – lasst uns zusammenrücken und miteinander feiern.

Teuer? Ach woher denn! Die Kneipe war früher eher ein Problemfall, also konnte er ziemlich einfach pachten. Die Einrichtung ist spartanisch, die Küche minimal. Aber alles funktioniert, das Essen ist wirklich sehr gut, kommt schnell und ist wirklich preiswert.

Es gibt jede Menge Leute, die schon drin waren und genervt wieder gingen. Entweder war es ihnen zu laut, zu kumpelhaft oder sie konnten keinen Platz kriegen. Na und? Darauf angesprochen zuckt er nur mit den Schultern: „Du kannst nicht alle haben – also versuch’ es erst gar nicht!”

Es ist Zeit für Originale. Fangen sie ruhig klein an – aber bleiben Sie das Original!

PS.: Ich werde Ihnen nicht sagen, wie die Kneipe heißt … es ist eh schon schwierig genug, einen Platz zu kriegen 😉

Spirituelle Aufgaben

Keine Berge ohne Flachland, kein Innen ohne Außen, etc. Dem werden wohl die meisten zustimmen (wenn nicht alle): Man nennt das auch das Gesetz der Polarität – etwas sehr Prinzipielles also.

Was hier so allgemein daher kommt: Was bedeutet das bezogen auf Ihre ganz individuelle, ganz spezielle Situation? Schon mal drüber nachgedacht?

Für mich bedeutet es:

Wirklichkeit besteht aus einem Konflikt zwischen Sein und Nicht-Sein.

Genauer?

Ok:

Nehmen wir an, jemand hat die Ausbildung zum Heilpraktiker (zu welchem auch immer) erfolgreich abgeschlossen. Jetzt isser also Heilpraktiker (= Sein) und würde gern loslegen – hat aber keine Praxis und kann daher noch nicht loslegen (= Nicht-Sein).

Das Leben entwickelt sich zwischen diesen beiden Extremen.

Anfangs stehen sich beide gleich stark gegenüber und man muss eine Lösung finden – meinetwegen eine Finanzierung. Gelingt das, löst sich diese Polarität nicht auf – schön wär’s. Nein. Was geschieht, ist, dass das eine Extrem in den Hintergrund tritt – in diesem Fall das Nicht-Sein – während das andere in den Vordergrund rückt und konkret wird.

Das kann für sehr lange so bleiben – oder umkippen.

Sagen wir, die Praxis läuft nicht und man muss schließen. Dann stehen sich wieder beide Extreme direkt gegenüber – und man muss nach einer anderen Lösung suchen. Und wenn dann meinetwegen jemand frustriert beschließt, nie wieder etwas mit diesem Beruf zu tun haben zu wollen, verschwindet diese Polarität auch nicht – sondern, wie schon im umgekehrten Beispiel am Anfang, das Nicht-Sein rückt dann in den Vordergrund und wird konkret.

Na und? Was ist der Witz dabei?

Spirituelle Aufgaben lassen sich nur mit spirituellen Mitteln lösen! Und mir ist kein einziges spirituelles Prinzip bekannt, bei dem Geld irgend eine Rolle spielt.

Deshalb spielt es überhaupt keine Rolle, ob jemand eine Praxis finanzieren kann oder nicht, ob jemand zu teuer ist oder nicht, ob jemand ein gutes Agebot hat oder nicht. Das ist alles Quatsch! Was aber kein Quatsch ist und am Ende den ganzen Unterschied macht, ist die Fähigkeit, seinen Traum zu leben – und das wiederum wird ausschließlich von Ihrem Umgang mit den spirituellen Prinzipien bestimmt! Und zwar im jeweils konkreten Fall auf Ihre ganz individuelle Weise.

Das Mittel im Umgang mit z.B. dem Prinzip der Polarität heißt Aufmerksamkeit, denn Polarität lässt sich nicht aufheben – aber, wie gezeigt, lassen sich die Extreme so schieben, dass der eine Pol wirksamer, sprich: konkreter ist als der andere.

Und um das Beispiel mit dem Heilpraktiker aufzugreifen: Konzentrieren Sie sich darauf, was Sie sofort machen können – nicht darauf, was Ihnen scheinbar alles fehlt. Sie haben kein Geld für eine Praxis? Machen Sie etwas ohne! Der gewaltige Bereich der Prävention – nur um etwas Konkretes zu bringen – der nebenbei bemerkt viel größer ist, als der der akuten Krankheit, braucht keine Praxisräume. Der braucht nur Sie und Ihre Bereitschaft, sich einzubringen.

Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das, was möglich ist – und sorgen Sie vor allem anderen dafür, dass Ihre Aufmerksamkeit auch darauf gerichtet bleibt! Das ist der Witz dabei!