No way

Bei uns zu Hause steht im Flur ein großes Plexiglasregal, vollgepackt mit den verschiedensten Stoffen, Stoffmustern und dem einen oder anderen Karton oben drauf – natürlich auch mit speziellen Stoffen drin.

Und wir haben zwei Katzen. Einen majestätischen, sehr sanften und mit aristokratischen Manieren ausgestatteten Kater, und eine etwas rauhbeinige, durchsetzungsfähige Katzendame, die selten lange fackelt – schon gar nicht, wenn sie etwas will.

Und natürlich lassen sich beide Katzen gerne durch die Wohnung tragen – der Kater, um seine Wange an wirklich jeder Tür zu reiben, die Dame, weil ihr danach ist.

Kommt man an erwähntes Stoffregal im Flur, zeigen sich zwei gänzlich unterschiedliche Verhaltensweisen. Der Kater begutachtet den Seitenaufstieg des Regals, erwägt und berechnet, schnuppert und kalkuliert nochmal und nochmal  … und weiß dann, dass es hier nirgendwo hin geht. No way. Kein Platz, an dem man anhalten und rasten oder von wo aus man weiter forschen könnte.

Die Katzendame hingegen hat einen klaren, geschärften Blick für Aufstiegsmöglichkeiten und unerforschte Gegenden. Wie schon gesagt, sie ist keine Zauderin, fackelt also nicht lange und beginnt den Aufstieg. Sofort.

Nun ist es leider so, dass dieser Aufstieg tatsächlich nirgendwo hinführt. Es ist ein no way – aber das interessiert sie eher gar nicht. Mit einem unbändigen Willen strebt sie nach oben. Bis sie irgendwie zwischen Himmel und Hölle hängt, weder vorwärts noch rückwärts kommt und herunter gehoben werden muss. Aber ganz sicher, beim nächsten Besuch wird sie wieder versuchen, aus einem no way ein very special way und schießlich her way zu machen.

Man könnte annehmen – und auf den ersten Blick sieht das auch so aus – dass die Katzendame … sagen wir: ein bisschen kurz unterm Pony ist. Ich glaube aber, dass sie einfach nur hartnäckig ist.

Das Leben ist Veränderung. Ständig und überall. Irgendwann wird es an diesem Regal einen gangbaren Aufstieg für Katzen geben. Irgendwann. Aus irgend welchen Gründen – und meinetwegen ganz zufällig. Und ich glaube, die kleine Dame will nur einfach nicht warten, bis dieser Weg auch von unten her sichtbar ist, sondern ihn gehen, sobald er da ist … sichtbar oder nicht.

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