Bienenblog

Vor ein paar Jahren habe ich einmal in einem Keller Aufzeichnungen eines Hobby-Imkers entdeckt, der kurz nach dem Krieg zusammen mit seiner Frau einen größeren Garten gepachtet und dort Bienen gehalten hatte. Er verfolgte ganz offensichtlich zwei Ziele: Zum einen interessierte er sich für Bienenzucht und Ökologie von Bienen, Umwelt und Honig. Zum anderen wollte er natürlich auch den Honig verkaufen – was hätte er wohl sonst mit all dem sich ergebenden Honig machen sollen? Das Honiggeschäft war nicht sein Hauptantrieb, aber er hatte Kosten und wollte wenigstens die einspielen.

Er führte Aufzeichnungen: Buchhaltung … und Bienenbücher!

Er führte Notizbücher, auf denen vorne ein Etikett aufgeklebt war mit der Überschrift: Bienenbücher. Dahinter die Nummer des Buches und das Datum, ab wann es begann. Er notierte täglich und akribisch alle seine Beobachtungen: Wetter, Temperatur, Bienentätigkeit, Blütenstände, Beschreibung des Ausschwärmgebiets, Menge an Honig, Erfahrungen beim Schleudern. Er hielt fest, warum er glaubte, dass letztes Jahr ein gutes war und notierte, welches Ergebnis er für das laufende Jahr erwartete, welche Kunden wiederkamen, wie ihnen der Honig geschmeckt hatte und ob sie etwas zum Preis gesagt hatten. Kurz: Alles, wirklich alles, von dem er dachte, es habe einen Einfluss, wurde in seinen Bienenbüchern notiert.

Wie schon gesagt, diese Aufzeichnungen entstanden Anfang der 1950er Jahre – lange vor Entstehung des Web. Aber angenommen, damals hätte es das Web schon gegeben – so wie es heute ist: hätte er seine Aufzeichnungen auch in Büchern festgehalten? Nur für sich selbst? Oder hätte er sie öffentlich gemacht? Vielleicht in einem Blog?

Update, eine neue Version ist verfügbar heißt ein Buch von Dirk von Gehlen, das kürzlich erschienen ist. Es beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die fortschreitende Digitalisierung förderlich für die Kunst, respektive den Künstler ist:

Das Ergebnis künstlerischen Arbeitens kann dank der Digitalsierung um das Erlebnis seiner Entstehung erweitert werden. Kultur wird zu Software, die nicht mehr als unveränderliches Werkstück daherkommt, sondern in Versionen.

Dirk von Gehlen

Die Idee war, via Crowdfunding Geld für dieses Buchprojekt aufzutreiben, um die Möglichkeiten des Selfpublishings auszuloten. Das Geld brauchte er für Design, Druck und Rechtsberatung i.S. Lizenzierung.

Das Crowdfunding brachte ihm neben insgesamt € 14.000,– für die Produktion auch 350 Leute, die sich über das Buch hinaus für den Entstehungsprozess interessierten (enviv) – und das ist etwas, das viele Kleinkunst-Handwerker unterschätzen!

Wenn Sie im Restaurant etwas zu essen bestellen, würde es keinen Unterschied machen, den Koch persönlichen zu kennen? Zu wissen, wer Ihr Essen macht? Und wie? Das ist es, worum es beim Bloggen geht!

Ein Blog ist nicht nur ein Megaphon von Ihnen zu vielen anderen, sondern gleichzeitig ein Tor für viele zu Ihnen! Ein Tor zu einer Bühne, um von Ihnen zu lernen und um zu genießen, wie Ihre Kunst entsteht. Bieten Sie einen virtuellen Raum, in dem man an Ihrem kreativen Schaffen teilhaben kann.

Nehmen Sie dieses Blog hier – mein Blog: Die Artikel, die jetzt gerade entstehen und veröffentlicht werden, sind nicht nur die Grundlage für ein Angebot, sondern gleichzeitig auch öffentliches Testlabor, worauf es speziell bei Kleinunternehmern und Kleinkunst-Handwerkern ankommt, um ihre Kunst und/oder ihr Können einem größeren Publikum darzubieten: Offline und Online, im Web und vor Ort. Es wird darum gehen, Ihr Können und Ihr Geschäft zu entwickeln. Es wird darum gehen, das Level, auf dem Sie jetzt in diesem Augenblick sind, zu meistern und sich vorzubereiten, das nächst höhere Level zu erreichen – in Ihrer Kunst und in Ihrem Geschäft.

Und alles beginnt damit, sich täglich ein wenig Zeit zu nehmen, sich mit Ihrer Kunst, mit dem was Sie lieben, zu beschäftigen und eine gewisse Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen. Es beginnt damit, Ihr eigenes Bienenblog zu schreiben …

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