Mimikry vs Copycat

Die Bezeichnung Mimikry ist abgeleitet von englisch mimicry (= „Nachahmung“), was wiederum abgeleitet ist von to mimic: „nachahmen, mimen“ + Suffix -ry (entsprechend dt. „-erei“) und entlehnt aus griech. μίμος mímos ‚Nachahmer, Imitator‘.

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Wie finden Sie Ihre Inspirationen? Und wenn Sie sie gefunden haben, was machen Sie dann damit?

Twyla Tharp wandte sich der Frage zu, was einen davon abhalten könnte, die eigene Kunst zu entwickeln und dann nach draußen zu bringen – zu veröffentlichen. Einer der möglichen Gründe war: Das gibt es schon! Worauf hin Sie entgegnete: „Schätzchen, alles hat es schon gegeben. Nur die Weise, auf die du das machst, fehlt noch!”

An der japanischen Manga-Kultur haben Doujinshis einen außerordentlichen Anteil. Eigentlich sind sie rechtswidrig, aber man lässt sie gewähren, wohl auch weil man davon überzeugt ist, dass sie den Manga-Markt insgesamt bereichern (wobei die offizielle Meinung lautet, es gäbe zu wenig Anwälte, um die Regelverstöße zu verfolgen). Rechtswidrig sind sie deshalb, weil diesen Comics Figuren zu Grunde liegen, die es als andere Comicfiguren schon gibt und somit urheberrechtlich geschützt sind. Die Idee der Doujinshis liegt im Verfremden der Figur, bzw. der Geschichte. Es gibt sogar Komitees, die Doujinshis auf Tauglichkeit hin prüfen und bloße Kopien ablehnen (siehe: Mehra, Copyright and Comics in Japan).

Lassen wir mal die Problematik des Urheberrechts für einen Moment beiseite und wenden uns stattdessen der Frage zu, was es mit dem Nachmachen auf sich hat: Es ist wirklich sehr schwierig, etwas zu finden, was es noch nicht gibt oder gegeben hat. Auch die Verwendung von Touchscreen-Computern gab es lange vor den iPhones. Aber den Einsatz in Smartphones – auf die Weise, wie es Apple eingeführt hat – den hatte es noch nicht gegeben. Dieses Aufgreifen und Weiterentwicklen von etwas schon Vorhandenem, war Grundlage für eine gewaltige Innovation und hat die Idee, direkt über den Bildschirm zu steuern, extrem weiterentwickelt.

Die kreative Herausforderung liegt darin, dem, was es schon gibt, eine neue Idee hinzuzufügen. Es zu bereichern. Etwas Ähnliches zu machen – Mimikry eben – ist ein Prinzip der Natur, die Vorhandenes nimmt und variiert. Die gesamte OpenSource-Bewegung beruht darauf, Vorhandenes zu nehmen und weiterzuentwickeln. So gesehen ist Nachmachen etwas außerordentlich Kreatives.

Aber etwas nur nachzumachen, ohne es zu bereichern, ohne der Idee etwas ganz Eigenes – nämlich Sie selbst – hinzuzufügen, um vielleicht damit ein bisschen Geld zu verdienen, ist es nicht. Das Leben einer Copycat, einem Wesen, das nur nachmacht, was andere schon vorgemacht haben, ist ein bedauerlicher Irrtum …

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