Zwei Prozent

Meine Frau und ich haben eine Bekannte, die traumhafte schöne Schachteln herstellt. Wirklich traumhaft schöne! Aber wenn diese Bekannte beispielsweise einen Stand auf einer Kunsthandwerksmesse hat und sieht, wie jemand ihre Schachteln betrachtet und dann weitergeht, ohne zu kaufen, frisst sie sich vor Zorn! 🙂 Tatsächlich hat sie dieses Gefühl der Ablehnung dazu gebracht, schon gar keinen Stand mehr aufzubauen.

Direktwerbung per Brief in die Briefkästen wird von 98% aller Empfänger in den ersten fünf Sekunden in den Papierkorb geworfen. Oft sogar, ohne den Brief zu öffnen. Na und? Die Idee der Direktwerbung zielt auf genau diese 2%, die das nicht tun! Übertragen auf einen Stand auf einem Bauernmarkt bedeutet das, zu wissen, dass sicher zwei von hundert Vorbeigehenden kaufen werden – man weiß nur nicht, welche zwei es sind!

Wenn wir schreiben oder malen, Schmuck herstellen oder Mützen stricken, Schürzen nähen oder Kerzen ziehen, für Freunde kochen oder Cocktails mixen – immer fließt ein Teil von uns in unsere Kunst. Immer. Und niemand hat diesen Umstand schöner beschrieben als Khalil Gibran

„Arbeit ist gelebte Liebe.”

Nur: Jemand, der unsere Arbeit, unsere Kunst, unsere Liebe nicht will, lehnt sie deshalb nicht ab. Sie ist nur nicht für ihn oder sie. Sie erreicht ihn oder sie noch nicht mal. Die Reaktion derer, die weiter ziehen, hat nichts mit uns zu tun. Es sind jene 98%, von denen wir wissen, dass sie unsere Kunst, unsere Arbeit, achtlos in ihren imaginativen Papierkorb fallen lassen.

Unser Interesse gilt diesen zwei Prozent, die gleich noch kommen werden … denn für sie ist unsere Kunst entstanden!

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