Hard Fun

Seinen Traum zu leben, sagt sich ziemlich leicht. Denkt sich auch ziemlich leicht. Träumt sich auch ziemlich leicht. Das war’s dann aber auch mit leicht …

„Arbeit wird zu einem mörderischen Vergnügen werden […] für die einen wird die Arbeit zum Mittelpunkt des Lebens werden, für andere wird es Heim und Familie sein. Nur ein paar wenige Glückliche werden beides unter einen Hut bringen können.

Rolf Jensen
The Dream Society

Was Jensen in seinem 1999(!) veröffentlichten Buch kommen sah, ist zu einem großen Teil jetzt schon Realität. Durch Smartphones und Tablets, Facebook und SMS jederzeit und rund um die Uhr erreichbar, fühlen sich viele Chefs verführt, das auch in Anspruch zu nehmen und Mitarbeiter zu beinahe jeder Tages- oder Nachtzeit anzurufen oder anzumailen. Und Urlaub unterscheidet sich von normaler Arbeitszeit auch nur noch theoretisch. Aber auch umgekehrt führt starkes Engangement und Interesse für das, was man tut, ebenfalls dazu, rund um die Uhr produktiv zu sein und erreichbar sein zu wollen.

Mörderisches Vergnügen ist eben ein zweischneidiges Schwert und kann ebenso für wirkliches und restloses Vergnügen stehen, als auch für ein nur vorrübergehendes, an dessen Ende der Burn out winkt, die Scheidung und Kinder, die einen kaum kennen – falls überhaupt Zeit für Ehe und Kinder war.

Und doch … wenn es gelingt, eine Balance zwischen Preis und Vergnügen hinzukriegen, kann das ein wunderbares Arrangement sein. Ich hatte letztes Wochenende das Vergnügen, ein Paar kennenzulernen, das ihre Geschichte so erzählt:

Seide ist ein ganz besonderes Gewebe. Es fühlt sich unbeschreiblich an – vor allem Kinder halten es gerne in Händen. Noch mehr Spaß und Interesse entwickeln sie, wenn sie es bemalen (können). Wir haben hier schon mal was vorbereitet – schaut mal, hier können eure Kinder sitzen. Hier ist jede Menge Seide und Farbe und Wasser und Pinsel … übrigens, es ist ganz erstaunlich, wie es auf Eltern wirkt, wenn sie das gleiche machen – zusammen mit ihren Kindern. Setzt euch doch dazu. Kostet doch nur ganz wenig …

Sie könnten diese beiden ruhig Althippies nennen, aber sie mögen diese Arbeit durch und durch. Sie, der weibliche Teil dieser Verbindung, arbeitet auch noch gerne mit Gips, Steinen, Fliesen und Intarsien. Aber am liebsten mit Kindern. Er ist hauptsächlich für die Erwachsenen da.

„Weißt du,” sagt er mir im Gespräch, „wir sind drei Monate im Jahr in Spanien und arbeiten dort – fünf Sessions jeden Tag. Wenn wir das jemandem erzählen, denken die immer, das sei Urlaub. Ganz falsch! Das ist absolut hammerharte Arbeit. Natürlich setzen wir uns abends an den Strand – aber wir schauen eine Stunde lang nur aufs Meer – weil wir zu platt zum reden sind! Erledigt. Und du musst nicht denken, dass man davon reich wird!”

„Und doch isses das Wert?” frage ich ihn.

„Absolut und restlos!”

Er strahlt übers ganze Gesicht. Sie hat ihn auf diesen Weg geschubst, seine Frau. Er hatte früher einen Job in der Führungsetage eines Logistikkonzerns.

„Ich wollte keinen Tag heute hergeben!” fährt er fort und schaut mich ganz fest an. „Ich hatte früher eine interessante und auch eine ordentlich Arbeit – und, ja, ich kann verstehen, dass manchmal ein großes Lager aufgelöst werden muss, weil es sich nicht mehr rechnet. Und dann muss man die Leute dort entlassen. Aber war das die Arbeit, die ich machen wollte? Hatte ich mich dafür ausbilden lassen? Das wollte ich nicht! Das mache ich nicht! Und jetzt sind wir frei! Wir müssen hart arbeiten, um frei zu sein – aber es lohnt sich jeden Augenblick lang.”

Hard fun …

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  • heart fun.. vielleicht mal so gesagt..