Zuerst die Geschichte!

Vielleicht haben Sie sich nach der Lektüre meines gestrigen Beitrages gefragt, ob das hier jetzt zu einem Eso-Blog mutiert. Ämm, nein. Definitiv nicht. 🙂

Mir ging es um Angst als Folge unterentwickelter spiritueller Stärke! Um das was aus einer unaufgeräumten Gedankenkiste entsteht. Mir ging es um Angst, nicht als Folge eines Traumas, sondern als Folge einer unklaren Geschichte – denn hier im Blog geht es um narrative Geschäftsmodelle, um Geschäftsmodelle, bei denen die Geschichte im Mittelpunkt aller Überlegungen steht – was wiederum ein spirituelles Prinzip ist, nämlich Vorstellungskraft. Daher immer wieder der Bezug auf spirituelle Prinzipien.

Wenn ich beispielsweise auf einen Kunsthandwerkermarkt gehe, schaue ich mir die Stände an und versuche, die Geschichte zu erkennen, die hier erzählt wird (Beispiele finden Sie hier →, hier → und hier →).

Genau wie auf einer Theaterbühne trägt dabei jedes einzelne Teil zur Geschichte bei – nicht zuletzt, weil jedes Detail für sich selbst auch wieder eine Geschichte erzählt. Aus meiner Sicht sollten gerade Kleinunternehmer lieber Theater und alles damit verbundene studieren, als Betriebswirtschaft oder Marketing (sorry, liebe IHK, aber so ist das nun mal!).

„Kein Mensch kauft Bilder im Web,” sagt mir dieser Tage ein Künstler aus dem Bereich digital art. „Das geht doch auch gar nicht. Du musst doch die Abmessungen des Bildes sehen, ehe du es kaufst und an die Wand hängst.”

Ahh ja …

Ich schau‘ mir die Preise an. Ein hinter Glas gerahmtes Bild, nett anzuschau’n, kostet € 80,–

„Bist nicht teuer,” sage ich.

„Pah,” winkt er ab. „wenn du willst, mache ich das so, dass es ein Unikat ist. Dann wird das einfach nicht mehr ausgedruckt – € 80,– ist ein Witz! Und trotzdem gehen die Leute lieber zur IKEA, weil sie glauben, das sei dort billiger! Dabei kaufen sie dort doch nur irgend einen Massenschrott!”

Keine Frage, er ist sichtlich genervt.

„Sag mal,” sage ich vorsichtig und zeige ihm sein Preisschild: „würdest du bei € 80,– ein Unikat erwarten? Hast du das Gefühl, dass dein Preisschild etwas über Unikate erzählt?”

Er schaut mich zerknirscht an – mir ist klar, dass ich meine Worte sorgfältig wählen muss, wenn ich nicht in seinem Fleischwolf landen will …

„Ein Preisschild auf dem € 800,– steht,” fahre ich behutsam fort, „würde mir viel eher etwas über Einmaligkeit erzählen. Und Kostbarkeit. Aber ich vermute mal, du bietest es lieber für € 80,– an, als es hundert Mal auf eine Messe mitzunehmen und es am Ende doch nicht zu verkaufen. Richtig?”

Er hebt hilflos die Schultern und nickt.

Was meinen Sie? Ist das wirklich der Grund, warum er ein Bild zu einem Zehntel des Wertes verkauft?

Ich glaube, er hat Angst. Angst davor, eine Geschichte zu erzählen, und die, die er erzählt, geht in etwa so:

Schaut mal hier, was sich mit Fotos machen lässt, wenn man sie per Software verfremdet. Sieht geil aus, oder? Wollt ihr kaufen? Ich verlang‘ auch nur ganz wenig …

… und er erzählt diese Geschichte hauptsächlich über seine Preisschilder, denn die Bilder selbst stehen dicht an dich, um möglichst viele zeigen zu können.

Was Sie brauchen …

… ist eine Geschichte, die Sie durch das erzählen, was Sie können – nicht eine, die über das erzählt, was Sie können.

Solange Sie über das was Sie können erzählen, produzieren Sie Dinge – Dinge oder Zeitgeistsymbole, die man in Qualität und Preis scheinbar miteinander vergleichen kann! Dann produzieren Sie mit viel Hingabe schöne Bilder, die man billiger bei IKEA kaufen kann. Oder produzieren Sie Patchworkdecken, die man bei Möbel Mann als Import aus Korea billiger kaufen kann. Oder basteln Sie Schmuckstücke zusammen, die sich viel billiger bei einem Modeschmuck-Filialisten oder online kaufen lassen.

Dann ist alles, was Sie von Ihren Kunden bekommen – wenn Sie es denn bekommen(!) – gefrorenes Mitleid … in Form von Geld.

Tatsächlich aber sollte es so sein, dass Sie Ihrem Kunden Ihr Herz anbieten – und im Gegenzug seines bekommen!

Um Geschichten zu erzählen, brauchen Sie Mut! Sie brauchen den Mut, zu sich, Ihrer Idee und Ihrem Können zu stehen! Sie brauchen den Mut, um für beides einzustehen! Aber zuerst brauchen Sie eine Geschichte! Eine, für die Kunden bereit sind, zu bezahlen!

Lassen Sie uns morgen mal über Preise reden – einverstanden? 🙂

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