Der Preis ist heiß – 2

Wenn Sie eine Geschichte (gefunden) haben, ist schon mal ein großes Stück geschafft in der Frage, wofür Sie einen Preis verlangen. Was folgt sind Fragen nach dem Erzählen – oder im Theaterjargon: Wie wollen Sie sie inszenieren? Denn das hat ja auch großen Einfluss auf sowohl den Erfolg als auch auf Ihre Preisstruktur …

Noch einmal zur Erinnerung:

„Arbeit ist Theater und jedes Business eine Bühne.”

Pine/Gilmore
The Experience Economy

Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass es sowohl im Kino als auch im Theater nicht nur ein Preisangebot gibt, nicht wahr? Unterschiedliche Plätze, unterschiedliches Erlebnis, unterschiedlicher Preis.

Der Wechsel von der alten Welt des Produzierens von Dingen in die Welt der Geschichtenerzähler ändert alles, denn jetzt es geht nicht mehr darum, bessere Dinge herzustellen, oder gar (noch) mehr davon. Und schon überhaupt nicht um billigere.

Ihr Produkt als Geschichtenerzähler ist das Ergebnis einer Multiplikation zweier Faktoren: Ihre Geschichte mal Ihr Kunde. Was vorher Ihr Produkt war, wird jetzt zu einer Requisite auf der Bühne.

Als Geschichtenerzähler bauen Sie eine Bühne, produzieren Inszenierungen und verkaufen den Zugang zu dieser Inszenierung in unterschiedlicher Intensität.

Die Frage, um die es im Grunde geht, ist: Auf welche Weise kommt Ihre Geschichte mit dem Kunden zusammen, so dass es im Kunden bumm machen kann – wenn Sie mir diesen Ausflug in die Welt des Comics erlauben.

Dinge und Dienstleistungen, die sie bisher angeboten und verkauft haben, können durchaus preislos werden: Kaufen kann man sie gar nicht mehr, geschenkt kriegt man sie aber auch nicht. Sie haben keinen eigenen Preis mehr, weil Sie Teil der Bühne und der Inszenierung geworden sind.

Von der Bühne her denken!

Ich selbst habe zum Beispiel einiges in Form von Büchlein zusammengefasst, von dem ich gerne möchte, dass Sie es lesen, verstehen und Ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen. Kleine Büchlein für den Kindle (mobi-Format) oder für andere e-Book-Reader (epub). Aber diese Büchlein werden Sie weder bei Amazon noch in einem Buchladen finden, weder im Web noch sonst wo. Sie werden sie gar nicht finden! Und schenken werde ich Sie Ihnen auch nicht (tut mir leid 🙂 )

Der Punkt, um den es geht, ist, von der Bühne her zu denken – von der Inszenierung her:

Ich möchte, dass Sie die Inhalte dieser Büchlein verstehen und dicht bei Ihnen sein, wenn Sie beginnen, Ihre eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen. Ich möchte dabei sein, wenn Sie damit beginnen, Ihre Schlussfolgerungen umzusetzen. Das Produkt sind Ihre Schlussfolgerungen und Ihre daraus entstehenden Handlungen nicht die Büchlein!

Und um produzieren zu können, muss ich eine Bühne bauen – einen definierten Kontext, in dem diese Inszenierung stattfinden kann! Was ich folglich verkaufe, wofür ich also einen Preis verlange, sind nicht Bücher (also Dinge) – die sind preislos. Auch nicht den Zugang zu deren Inhalten, sondern die Intensität Ihrer Schlussfolgerungen, die durch Ihr individuelles Verständnis der Inhalte entsteht … jedenfalls dann, wenn Sie mein Kunde wären 🙂

Und natürlich gibt es eine differenzierte Preisstruktur – abhängig von der Intensität des Erlebnisses, das Sie wollen.

Welche Geschichten wollen Sie mit Ihrer Kunst erzählen? Wen wollen Sie wie verändern? Was ist die Bühne, die Sie bauen? Welche Inszenierungen möchten Sie erschaffen? Wie differenzieren Sie die Geschichten, die Ihre Kunden bei Ihnen bekommen?

Die Welt der Geschichten und Träume folgt einer anderen Ökonomie, als die Welt von Dingen und Dienstleistungen. Sie ist intensiver, anspruchsvoller, kreativer – und lukrativer. Sie kennt keine Konkurrenz – nur das sinnliche Erlebnis. Es ist Ihre Welt – wenn Sie denn wollen!

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