Business wird spiritueller!

In Wirklichkeit bringen mehr materieller Wohlstand und mehr Konsum nicht zwingend mehr Glück hervor, sondern zerstören eher unsere Welt …

Boswijk, Peelen, Olthof
Economy of Experiences

Meine Großeltern hatten ein kleines Häuschen auf dem Land. Wie damals üblich, hatte es eine Wohnküche, in der sich das Leben, vor allem im Winter, abspielte. Und – natürlich – das gute Zimmer, das man (winters) nur heizte, wenn Gäste kamen.

Wenn also einmal alle Jubeljahre meine Eltern und wir Kinder im Winter bei den Großeltern aufschlugen, wurde dieses Zimmer geheizt, was gerne lange dauerte, da die Wände sehr ausgekühlt waren. Da man aber in diesem Zimmer auch zu Mittag aß, kam man um die Kälte dieses Zimmers nicht herum. Aber immerhin, so ab dem Nachmittag, rechtzeitig zum Kaffee, hatte der kleine Ofen seine Pflicht getan …

Aber – war es wirklich der Ofen, der wärmte? Natürlich nicht, sondern die Kohle darin – und die war es auch nicht, sondern die Energie, die durch den Verbrennungsprozess freigesetzt wurde und in Form von Hitze abstrahlte.

In unserer Welt des materiellen Überflusses sind es immer weniger Dinge, die wir als Kunde begehren, oder Dienstleistungen – was auch mit zunehmender Erkenntnis zu tun hat, was wir durch hemmungslosen Konsum schon so alles angerichtet haben.

Zunehmend suchen wir, was uns ein bestimmtes Gefühl verspricht: Wir kaufen Bio-, oder Freilandeier, weil es uns das Gefühl gibt, dabei auch einen Beitrag für respektvolle Tierhaltung zu leisten. Wir haben Hunger, wollen aber weder Vielfraß noch Tierschinder sein.

Oder, um im Bild der Analogie zu bleiben: Wir brauchen Kohle für die Wärme und auch den kleinen Ofen, um die Glut zu kontrollieren, aber was wir suchen, ist das Gefühl von Behaglichkeit und Sicherheit.

Das gilt für Verbraucher ebenso, wie für Anbieter, die im Grunde weder Kunden noch Geld suchen, sondern ein Betätigungsfeld, auf dem sie sich entfalten können.

Bleiben wir beim gestrigen Beispiel der Kosmetikerin: Sie sucht (und sieht) Schönheit – bei sich und anderen – und will ihre Kunst entfalten, diese Schönheit zu unterstreichen. Da auf Dauer das eigene Gesicht und der eigene Körper nur begrenzte Entfaltungsmöglichkeiten bieten, braucht es andere Menschen, die ihr erlauben, ihre Kunst weiter zu entfalten, und um die notwendigen Mittel und Werkzeuge dafür auch bereitstellen zu können, braucht sie Einnahmen – was sie aber tatsächlich sucht, ist eine Möglichkeit, ihre Kunst zu entfalten!

Und das ist das Geschäftsmodell der Zukunft:

Als Anbieter suchen wir Menschen, die uns eine Möglichkeit geben, unsere Kunst zu entwickeln, und Menschen suchen Anbieter, um mit deren Kunst zu Gefühlen zu kommen, nach denen sie sowohl instinktiv als auch intuitiv suchen.

Business – ohne jeden Zweifel – wird spiritueller!

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