Schatten des Geistesblitzes

Was hält einen davon ab, sich zum nächsten Schritt, zur nächsten Innovation aufzuraffen? Fast immer fehlende Klarheit – die gar nicht selten einem Geistesblitz folgt!

Ein einfaches Beispiel, wie mir es immer wieder passiert – ich bin sicher, nicht nur mir …

Am Anfang steht so etwas wie eine Idee, ein vager Umriss. Nicht wirklich klar. Hat aber Richtung und Drive – und dann, ganz plötzlich, gleisende Klarheit: Was es ist, wie es funktioniert, für wen es gut ist, etc.pp. Absolut klar und eindeutig.

Wow! Bang! Ehrlich: Mein Herz klopft dann wie wild – immer noch, obwohl ich schon ein (verhältnismäßig) alter Knacker bin! Da staune ich immer noch jedesmal, wie mich eine Idee weghauen kann … 🙂

Dann bin ich erst mal fertig!

Und dann kommt die Dunkelheit!

Stellen Sie sich vor, sie treiben auf einem Rettungsboot nachts irgendwo auf dem Meer. Sie glauben, etwas gehört zu haben, aber es ist einfach zu dunkel, um etwas zu erkennen – aber irgendwie fühlen Sie, dass die Rettung unmittelbar bevorsteht. Also laden Sie eine Patrone in die Leuchtpistole und feuern sie ab, was für einen kurzen Moment helles Licht über die See zaubert. Kurz danach, wenn die Leuchtkugel verglüht ist, ist es finsterer als je zuvor. Warum?

Ihre Augen haben sich an das helle Licht gewöhnt und brauchen eine Weile, sich wieder an die Finsternis anzupassen. Das zu wissen, ist absolut wichtig!

Wenn der Geistesblitz verglimmt ist, folgt ganz oft absolute Dunkelheit. Manchmal verschwindet die Idee noch während des ersten Satzes, den ich aufschreiben will; manchmal kann ich noch nicht mal einen Satz finden; aber viel häufiger als die ersten beiden Phänomene tritt dieses hier auf: Mir fallen tausend Gründe ein, warum das nicht geht – warum es gar nicht gehen kann!

Ich habe Jahrzehnte gebraucht, herauszufinden, dass das nur eine Phase ist! Sie geht vorbei! Ganz sicher! Zwei meiner Einsichten dazu:

Kleine Samengeschosse

Ideen, die sich nicht festhalten lassen, sind wie kleine Samengeschosse, die aus dem Universum bei uns einschlagen und tief unter dem Erdmantel des Bewusstseins Wurzeln schlagen müssen. Das braucht seine Zeit, Ruhe und Geborgenheit. Manche gehen niemals auf sondern gehen ein – werden aber dadurch Nahrung für Anderes!

Andere (Ideen-)Samen gehen auf und kommen – manchmal Jahre später – als wundervolle Pflänzchen an die Oberfläche unseres Bewusstseins. Plötzlich sind uns Zusammenhänge klar, ohne, dass wir uns anstrengen müssen. Feine Sache! 🙂

Die Nacht zum Tage machen

Bei den Ideen, zu denen uns tausend Gegenargumente einfallen, braucht unser geistiges Auge ein bisschen Zeit, sich an die Finsternis zu gewöhnen. Wie gesagt, dem Geistesblitz folgt oft erst mal tiefschwarze Nacht.

Aber was ist eigentlich Nacht?

Ein Tag hat 24 Stunden, von denen einige sonnenbeschienen sind und die wir dann auch Tag nennen, und von denen einige andere kein direktes Sonnenlicht haben und daher Nacht genannt werden. So gesehen sind Tag und Nacht zwei Seiten der selben Münze, die auch wieder Tag genannt wird.

Will sagen: Gegenargumente sind Argumente! … nochmal: Gegenargumente sind Argumente! Klickts?

Gegenargumente sind Argumente, die Sie betrachten, als wären Sie keine Argumente für Ihr Handeln, sondern dagegen. Sie betrachten sich den Schatten des Geistesblitzes!

Warten Sie einen Moment, bis sich Ihr geistiges Auge an die Dunkelheit gewöhnt hat – will sagen: Notieren Sie alle (Gegen-)Argumente und ignorieren Sie währenddessen jegliche Wertungen, die Ihnen aus den Tiefen Ihrer (Denk-)Gewohnheiten vorgeschlagen werden (und insofern nichts anderes sind, als Verdauungsgase derselben).

Dann lassen Sie das erst mal sacken, denn – ganz sicher! – halten Sie mit dieser Liste den Anfang einer großartigen Zukunft in Händen! Ganz sicher! Wie gesagt: Sie müssen Ihrem geistigen Auge nur ein wenig Zeit lassen, sich an den Augenblick zu gewöhnen, der sich anfühlt, wie ewig finstere Nacht – tatsächlich aber nur eine Phase des Tages ist.

Ihres neuen Tages!

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