Dann isses meins!

Ich war über nichts glücklicher, als dass ich meine Studien nicht nach der Meinung anderer, sondern nach meinem eigenen Willen gestaltet hatte.

(Gottfried Wilhelm Leibnitz)

Als unser Junge noch ein ganz Kleiner war, hatten wir uns einen anthroposophischen Arzt ausgesucht, keinen ausgesprochenen Kinderarzt – ich glaube, weil einer unserer Freunde Anthroposoph war und uns diesen Arzt empfohlen hatte.

Wir machten sehr gute Erfahrungen – eine davon ist mir bis heute wichtig:

Wahrscheinlich alle jungen Eltern stoßen bei den eigenen und jetzt zu Großeltern gewordenen Angehörigen auf die Experten schlechthin. Hat sein Gutes und sein nicht so Gutes. Eines Tages meinte meine Mutter ganz beiläufig, früher seien die Kinder viel eher sauber gewesen als heute. Was tatsächlich stimmt, aber auch Gründe hat. Beim nächsten Arztbesuch fragte ich einfach mal danach.

„Wissen Sie,” sagte der Arzt, „früher setzte man die Kleinen, sobald sie alleine sitzen konnten, aufs Töpfchen – so lange, bis sie ihr Geschäft gemacht hatten. So lernten Sie sehr schnell, worum es geht. Und tatsächlich waren die Kinder dadurch früher sauber. Können Sie auch machen, wenn Sie wollen, ist aber vielleicht nicht so gut. Wenn Sie Ihren Kleinen lassen, dauert es wahrscheinlich länger, aber er findet die Lösung selbst – und dann gehört Sie ihm!”

und dann gehört Sie ihm!

Ich habe mit Menschen zu tun, die aus ganz anderen Gründen heraus plötzlich mit einer Geschäftsgründung konfrontiert sind, als die, die von Anfang an ein Geschäft im Sinn hatten, die also von Anfang an Geschäfte machen wollten.

Heilpraktiker, zum Beispiel, jedenfalls die meisten, wollen eigentlich gar keine Geschäfte machen. Sie wollen helfen. Die Art aber, wie sich schließlich die gegenseitigen Interessen (ich suche Hilfe <-> ich biete Hilfe) austauschen, ist nun mal ein Geschäft.

Hat man von Anfang an Geschäfte im Sinn, ist der Abschluss des Geschäfts das Ziel, aber genau das ist nicht das Ziel der meisten Heilpraktiker! Und folglich bin ich der Meinung, dass man einen anderen Weg gehen muss, um das zu lernen, was nötig ist, um den geschäftlichen Teil auf die Reihe zu kriegen.

Mein Ansatz ist, dass wir nicht nur unseren Traum leben können, sondern müssen. Das können wir uns nicht aussuchen. Was wir allerdings können, ist, gestalten! Um also seinen Traum gestalten zu können, muss man nicht lernen, wie man Geschäfte abschließt, sondern wie man träumt! Dann kommt man am Ende vielleicht zu den selben Handlungen, als hätte man gelernt, Geschäfte abzuschließen, aber dann gehören diese Handlungen einem selbst! Sie sind dem Herzen entsprungen, dem Sein, nicht einem Fachbuch.

Die Wege zur Erkenntnis sind interessanter als die Erkenntnis selbst.

Gottfried Wilhelm Leibniz

Und mehr noch bin ich der Ansicht, dass jeder alles weiß, was zu wissen ist, um den geschäftlichen Teil des eigenen Traums hinzukriegen. Das ist noch nicht mal im eigenen Inneren verborgen, sondern liegt ganz offen herum! Was aber wirklich ein Problem sein kann, ist die persönliche Vorstellung, etwas nicht zu wissen – oder nicht hinzukriegen!

Die zuweilen hartnäckige Vorstellung, nicht Träumer, sondern Opfer zu sein, machtlos, chancenlos, ideenlos und damit dumm zu sein, ist am Ende das Problem, das es zu lösen gilt – und zwar nicht über noch mehr Wissen (wie sollte man denn noch mehr wissen können, wenn man doch schon alles Wissen in sich trägt?!!) sondern über ein aufgeräumtes Denken in Verbindung mit einem täglich wachsenden Vertrauen in das eigene Selbst.

Und das wiederum geschieht durch Handeln und Erleben, durch anfangs kleine, vielleicht sogar ganz kleine Schritte, die schließlich zu immer größeren werden.

Comments on this entry are closed.