Immer besser

Neulich hatte ich ein Gespräch mit meinem Automechaniker. Der längst im Ruhestand ist und auch nur noch selten an Autos schraubt, aber immer für ein Schwätzchen zu haben ist.

Ich fragte ihn, ob sich denn die Motoren seit damals wirklich so sehr verbessert hätten, denn das Prinzip sei doch immer noch das gleiche. Er schaute mich an, als ob ich schon vormittags besoffen wäre, um gleich darauf direkter zu werden:

„Ist diese Frage ernst gemeint?”

Ich nickte.

„Als du mit dem Autofahren angefangen hast, war man froh, wenn der Motor 100.000 Kilometer Lebensleistung schaffte, heute sind 350.000 km fast die Norm. Genügt das als Antwort?”

Das ist eine dieser Business-Sachen, die die Industrie so hervorragend umsetzt: Kontinuierlich verbessern.

Die Frage ist: Verbessern wir uns selbst auch Schritt für Schritt? Und immer weiter? Oder gibt es da nichts mehr, das sich verbessern ließe?

Ich für meinen Teil hab‘ festgestellt, dass ich an mir selbst Verbesserungen nur dann wirklich hinkriege, wenn ich mich auf eine Sache konzentriere und die solange übe, bis sie sich verfestigt hat – und natürlich täglich messe, ob ich das an diesem Tag auch umgesetzt habe, bzw. wieviel davon (Gefühle können einen da sehr leicht täuschen!). Das kann dauern! Manches braucht Monate, bis es endlich passt!

Und weil sich das so lange hinziehen kann, sollte man sorgsam überlegen, ob ein Problem tatsächlich ein Problem ist. Vielleicht ist es nur ein Symptom, das einen zwar nervt, aber nichts verändert, wenn es gelöst ist.

Um ein Beispiel zu geben: Ist man übergewichtig, weil man zu fett isst? Dann wäre eine Lösung, weniger fett zu essen. Aber vielleicht ist das Problem, dass man zu viel (und dann vielleicht auch noch zu oft zwischendurch) isst. Das verlangt nach einer anderen Lösung. Vielleicht wäre aber dieses Problem auch nicht vorhanden, wenn man mehr innere Ruhe hätte – vielleicht sind das häufige Greifen nach Snacks und Leckerlis nur Übersprungshandlungen, um diese Unruhe auszubalancieren … ist klar, worauf ich hinaus will? Wir Menschen sind auch ein Netzwerkphänomen und so manches Problem, das wir haben, besteht nur scheinbar!

Es lohnt sich absolut, sich selbst zu beobachten, sich selbst zu verstehen, um die wirklich wichtigen Schräubchen zu finden, die gedreht werden wollen …

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