Authentizität?

Im Augenblick beschäftigt mich die Idee eines Credo – genauer: Wie man es findet … wenn man denn eines findet. Ein Credo ist ein in Worte gefasstes Bekenntnis persönlicher Werte.

Wozu das gut ist, schreibe ich ein anderes Mal, aber worauf ich bei der Recherche damit verbundener Ideen stieß, ist: Authentizität.

Ich tu‘ mich schwer mit diesem Begriff – tatsächlich ging er nie an mich und ich hoffe, niemandem zu nahe zu treten, wenn ich dieses Wort im alltäglichen Sprachgebrauch als leere Worthülse begreife.

Wie ist man denn als authentischer Heilpraktiker? Oder als authentischer Installateur?

Bei Wikipedia fand ich diese Aussage:

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“. Sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als real, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird. Dabei muss es sich nicht um die realen Eigenschaften des Betrachteten handeln. Auch Zuschreibungen von Betrachtern können diese Eindrücke verursachen und als Teil einer gelungenen Inszenierung fungieren. Ist die Inszenierung übertrieben, kann sie klischeehaft wirken und zum Kitsch werden oder dann als künstlerisch gekonnt erscheinen.

Die Schlüsselworte hier heißen: Wirkung und Inszenierung  und damit ist diese Idee für ein Credo untauglich.

„Sie müssen authentisch ‚rüberkommen” ist ein immer wieder zu hörender Satz – von Verkäufern für angehende Verkäufer – und stellt eine Einladung dar, die eigenen Werte hinten anzustellen!

Wenn ich recht erinnere war es Seth Godin, der den Begriff Connection Economy prägte – zumindest hab ich ihn bei ihm zuerst gelesen. Die Idee, die damit zum Ausdruck gebracht werden soll, ist, dass durch das weltumspannende Internet heute praktisch jeder einzelne mit jedem anderen einzelnen in Verbindung steht und es darauf ankommt, diese Verbindung zu aktivieren.

Das Schlüsselwort der Connection Economy ist Vertrauen. Vertrauen ist das, was sich erst über einen gewissen Zeitraum entwickelt. Vertrauen aber, das nur deshalb entwickelt wird, um früher oder später zu einem Verkaufsabschluss zu kommen, ist nicht wirklich Vertrauen – aber durchaus authentisch!

Vertrauen muss wechselseitig sein und beginnt mit Aufrichtigkeit. Auf meiner Seite – wenn ich ein Vertrauensverhältnis aufbauen will.

Aufrichtigkeit bedeutet der „eignen, inneren Überzeugung ohne Verstellung Ausdruck geben”

Wikipedia.de

Aufrichtigkeit aber legt keinen Wert darauf, wie sie wirkt! Sie ist einfach nur aufrichtig! Sie nimmt nicht nur in Kauf, andere davonzujagen – sie will es sogar, denn die Grundlage unverwechselbarer Gemeinschaften liegt in ihrer deutlichen Abgrenzungen zu allen anderen.

… und wozu braucht es dann noch Authentizität?

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