Grandiosizität

Ist es nicht erstaunlich, mit welcher Faszination wir auf ein grandioses, ein großartiges Leben anderer schauen können – ohne dabei unsere eigene Größe im Blick zu haben?

Richard Branson z.B. begann seine Businesskarriere schon mit 15 und indem er so tat, als wäre er Agenturinhaber und in dem er als Telefonnummer die Nummer des Telefonhäuschens angab, dass vor der Tür der elterlichen Wohnung stand (in England ging das damals). Oder schau’n Sie sich Dirk Novitzki an, was der aus seiner Hingabe zum Basketball gemacht hat – und mit welchem Respekt praktisch alle Sportler, Fans und Journalisten das neidlos anerkennen.

Diese Liste ließe sich noch eine ganze Zeitlang fortsetzen und immer wieder würden die meisten zustimmend nicken und sagen, „Ja die (oder der), ja – wow! Unfassbar!”

Ich will jetzt gar nicht das Liedchen darüber anstimmen, was die Grandiosen alles für ihre Karriere opfern mussten – und bereit waren, dafür zu opfern. Nein, was mich beschäftigt, ist, warum so viele Menschen – eigentlich fast alle, die mir bis jetzt begegnet sind, das Grandiose der Stars sehen und anerkennen, ihre eigene Grandiosizität (meine Wortschöpfung! Bin ich nicht grandios?! 🙂 ) aber nicht!

Was ist daran so schwierig, sich selbst als das zu sehen, was man ist: Einzigartig! Großartig! Ein Wunder der Schöpfung! – was ist daran so schwierig? Sagen Sie mir jetzt nicht, dass schon Ihre Eltern Sie immer klein hielten – denn wenn Sie diesen Text hier lesen können, sind Sie alt genug, das hinter sich zu lassen! Und sagen Sie mir jetzt nicht, dass Sie zwar an sich glaubten, nur Ihre Umwelt nicht – denn das würde dazu führen, dass Sie Ihre Grandiosizität beweisen müssten … was den Zweifel immer mitnimmt.

… und wäre das Auge nicht sonnenhaft, es sähe die Sonne nimmer mehr.

J.W.v. Goethe

Alle Stars, alle großartigen Charakteren, Geschichten oder Ereignisse sind nur deshalb großartig, weil Sie sie so sehen – und wer weiß, ob es sie überhaupt gäbe ohne Sie!

Wäre es, einfach um mal einen Gegenentwurf zu bringen, nicht auch denkbar, dass all das Großartige, dass Sie sehen und erkennen können, nur deshalb existiert, weil Sie so sind?! Weil Sie so sind?! Und dass das einzige, noch fehlende – und von ihnen zu liefernde Bindeglied darin besteht, das Grandiose auf sich selbst zu beziehen?

Oder halten Sie es denn für so unwahrscheinlich, dass der einzige Grund, warum Sie in diesem Leben und in dieser Welt sind, darin liegt, Ihre Grandiosizität offenzulegen? So dass all die Leute, mit denen Sie in Kontakt kommen, ebenfalls an ihre eigene Grandiosizität erinnert werden können?

Wäre das nicht Auftrag und Bestimmung genug?

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