Nachäffen?

Forscher stellen sich ja gerne die Frage, worin wir Menschen uns von Affen unterscheiden. Nicht nur biologisch. Auch z.B. in Abstraktions- und Kognitionsfähigkeiten.

Um lezteres zu untersuchen, hat man ein Affenjunges und ein Kind vor die gleiche Aufgabe gestellt, nämlich eine kleine leckere Belohnung aus einer Schachtel zu holen. Man machte beiden einfach vor, worum es ging – und siehe da, Affenjunges und Menschenkind waren ungefähr gleich gut. Keine signifikanten Unterschiede: Beide sahen die Schachtel, machten auf, schnappten sich die kleine Belohng. Hmmm.

Was würde sein, fragten sich die Forscher, wenn man ein Ritual einbaute:

Sie nahmen also wieder die Schachtel mit der Belohnung drinnen, drehten sich einmal im Kreis, klopften sich auf den Kopf und gingen dann erst dran, die Schachtel zu öffnen. Und – wieder interessant, das Kind versuchte, nachzumachen. Es konnte sich noch nicht allzu viel von diesen Kunststückchen merken, aber es versuchte, nachzumachen. Das Affenjunge – irgendwie schlauer als das Kind – schnappte sich die Schachtel, machte sie auf, holte sich das Leckerli heraus und futterte es mit großem Genuss.

Menschen haben offensichtlich eine Neigung, etwas auf sich zu beziehen und dann nachzumachen. Ich weiß nicht, ob es nur eine Fähigkeit ist oder nicht auch ein Handycap, jedenfalls ist es also nicht verwunderlich, dass wir eine Neigung haben, das, was uns beeindruckt, zu imitieren.

Eine Katzenmama muss ihren Jungen zeigen (also vormachen), wie man eine Maus fängt und tötet. Aber wenn Sie kurz vorm Fangen der Maus stolpert, sich überschlägt, dann aber fast übergangslos hochkommt und die Maus trotzdem fängt und erledigt, werden ihre Jungen diesen Überschlag nicht nachmachen, sondern sich darauf konzentrieren, die Maus zu fangen (= Schachtel nehmen, aufmachen, essen). Wir Menschen aber würden sagen: „Boah, geil – haste den Überschlag gesehen?” … und sich flugs dran machen, diesen Gig nachzubauen!

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Für uns Menschen ist das Ganze ungleich komplexer: Es beginnt schon damit, herauszufinden, welches Leckerli tatsächlich unseres ist – oder anders formuliert: Was unsere Bestimmung ist im Unterschied zu dem, was wir unterwegs aufgeschnappt und vielleicht fälschlich für unsere Bestimmung gehalten haben.

Und wenn wir sie denn gefunden haben, passiert es gar zu oft, dass wir einen Gig nachbauen, weil er uns gefallen, weil er uns beeindruckt hat, statt die Schachtel aufzumachen und das Leckerli aufzuessen.

Es ist ganz wesentlich, Ihren eigenen Traum zu leben – Ihrer eigenen Bestimmung zu folgen – denn das ist das Leckerli. Wie Sie dann die Schachtel aufmachen und an Ihr Leckerli kommen – ob Sie das als Heilpraktiker nun in einer klassischen Praxis tun oder in einem Zelt mitten in der Wüste, hängt davon ab, was Ihr Weg des Praktizierens ist – und hängt gar nicht selten sehr davon ab, ob Sie sich von fremden Vorstellungen frei machen können!

Und wenn Sie glauben, dass Geld das Problem ist, das Sie davon abhält mit Ihrer Arbeit anzufangen, halte ich eine Wette, dass Sie noch immer nicht frei von fremden Vorstellungen sind.

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