Verwirklichungschancen

Eine zentrale Aufgabe der Politik wird … mehr denn je darin bestehen, für ausreichende Verwirklichungschancen der Menschen, Mitspracherechte und Transparenzgarantien zu sorgen, um so die Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, unter der Vielfalt möglicher Lebensentwürfe frei wählen zu können.

Richard Sennet
Architekten der Arbeit

Ein Gedanke: Knappheit regelt den Preis, richtig? Ist ein ökonomisches Prinzip.

Wieso steigen die Löhne eigentlich wenn überhaupt dann nur langsam? Ausgehend von dem gerade genannten Prinzip: Weil nicht Beschäftigte knapp sind, sondern Arbeitsplätze. Und wenn man den Ökonomen und Soziologen glauben kann, ist das eines der tiefgreifenden und strukturellen Probleme Europas: Es gibt einfach zu wenig Arbeit.

Nächster Gedanke: Alles, was sich digitalisieren lässt, wird auch digitalisiert werden. Stimmen Sie dem zu? Ich hoffe es, denn es ist auch nicht zu bestreiten und demonstriert sich eindrucksvoll in den beiden Mega-Trends Big Data und Internet der Dinge.

Schlussfolgerung: Das Angebot an Arbeit im Sinne von Arbeitsplätzen wird weiter abnehmen, denn alles, was sich digitalisiert und automatisiert produzieren lässt, braucht keine menschlichen Hände mehr. Löhne werden eher stagnieren und proportional sinken, denn steigen.

Da Deutschland ökonomisch aber führend ist, schauen – zumindest scheinbar – alle auf uns und fragen sich, was man von uns lernen, bzw. übernehmen könnte. Ich frage mich das auch, was man von uns Deutschen in dieser Hinsicht übernehmen könnte – und, um ganz ehrlich zu sein – da fällt mir nichts ein!

Ein letzter Gedanke: Angenommen, nur die Hälfte aller Deutschen im arbeitsfähigen Alter beschlössen, sich auf eigene Füße zu stellen und ganz oder wenigstens halbtags ihr eigenes Ding zu machen – welchen Einfluss hätte das auf die Löhne, wenn plötzlich Arbeitskräfte knapp werden würden? Und angenommen, die Löhne stiegen – welchen Einfluss hätte das auf die Kaufkraft der Bevölkerung?

Sehen Sie irgendwo in Deutschlands ach so gepriesenen Bildungspolitik etwas, das auch nur annähend Schülerinnen und Schüler auf diese Art des Lebens vorbereitet? Oder nur ein ganz kleines bisschen? Ich nicht.

Aber es stellt aus meiner Sicht so ziemlich die einzige Lösung dar, den Menschen eine wirkliche Wahl zu ermöglichen, unterschiedliche Lebensentwürfe zuerst erkennen und dann auch verwirklichen zu können.

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