Espresso, bitte!

Ich hatte sie alle. Die schlanken Schicken, die Billigen, die Altbackenen, die, die es „immer ohne” und die, die es „nur mit” machen. Und natürlich die, die immer schon brav taten, was man von ihnen wollte. Ich hatte sie alle. In dieser Hinsicht bin ich wohl ein Schwein.

Aber immer hatte ich das Gefühl, jetzt die Richtige gefunden zu haben. Schwärmte uferlos und kostete sie aus – immer und immer wieder. Mehrmals am Tag. Und doch hielt die Liebe nicht.

Vielleicht war ich ohne es zu wissen (oder zu wollen) immer schon der (eher) Treulose, der Vagabund, der Unstete. Aber jetzt, da ich die Richtige gefunden habe, die, der ich schon vor einiger Zeit aufrichtig die Treue geschworen und selbiges nie bereut habe, die hat mir heute Gelegenheit gegeben, zu erkennen, wieder mal, wie sehr sich die Prinzipien des Lebens in allem offenbaren.

Wir sprechen über Espressomaschinen, oder vielleicht besser Espressozubereitungsarten – natürlich – und ich komme mehr und mehr zur Überzeugung, dass Espresso das Leben ist. Zumindest kann man in dem, was man für Espresso alles braucht – oder glaubt zu brauchen – einfach gut die Spielregeln des Lebens entdecken. So man will. Ich will. 🙂

Worum es mir in diesem kleinen Beitrag geht, ist die Verführbarkeit – und die Suche nach Glück.

Kaffeetrinker war ich immer schon. Sogar einer von den Schlimmen. Das war’n die Eltern schon – so gesehen steckt mir die Bohne zwischen den Genen. Irgendwie. Fein gemahlen, versteht sich. Und heiß gebrüht. Ich bin eher der kühle Typ, vielleicht brauche ich deshalb ein bisschen mehr Temperatur.

Wie auch immer, es dauerte eine Weile, bis ich Kaffee hinter mir ließ. Hatte mit Kochen zu tun. Und genießen.

Wobei, ich gebe zu, so ganz ohne Exzess geht es bei mir nicht immer. So wird aus einem Genuss schnell auch mal eine Sucht. Irgendwie. Wo andere – ich beneide meine Frau! – mit zwei Tassen am Tag durch sind, mussten es bei mir früher immer zwei Kannen sein. Auch drei oder vier. Mein Freund Chio weiß das, der ist nämlich auch so!

Und als ich dieser Tage mit einem guten Bekannten plauderte – er betreibt ein Cafe in der Stadt nicht weit weg von hier – enthüllte der mir, dass er durchaus vier oder fünf Espressi schnappt. Am Tag. Eigentlich zuviel, wie er meinte.

Ich schwieg.

Klar. Weil vier hab ich morgens um zehn schon durch …

Da ist es manchmal schon schwierig von Genuss zu sprechen. Von Zügellosigkeit schon eher. Oder Gier? Nein, nicht Gier. Aber wenn ich grade eine Idee habe und die, weil der Teufel manchmal im Detail steckt, nicht raus will, kann ich so schnell gar nicht gucken, wie ich in der Küche stehe und braue!

Gott, was bin ich froh, dass ich weder auf Bier noch auf Wein stehe!

Upps, ich verplaudere mich – was wollte ich sagen?

Ach so, ja, jetzt weiß ich wieder 🙂

Jedenfalls, als ich mich anschickte, Kaffee hinter mir zu lassen, jedenfalls meistens, und zu Espresso überlief, ging selbiges ja überhaupt nur in einem Eiscafe. Nee, nicht in dem der in der Tasse ist, nein, einem Eiscafe, wo man frisches Eis und frischen Espresso kriegt. Den Ort!

Das hatte den gravierenden Nachteil, dass ich nur schwer in die Arbeit fand – weil, ich saß dauernd in irgend einem Eiscafe!

Ich musste also eine andere Lösung finden. Und das war die Zeit, in der ich – nacheinander, versteht sich – alle hatte. Ich hatte ‘ne Billige, die ich irgendwo, weiß nicht mehr wo, gebraucht gekauft hatte. Fand ich erst geil, dann ließ das Vergnügen aber schnell nach.

Dann beobachtete ich Clooney, wie der mit Gott um sein Leben verhandelte – und es im Tausch um so eine mit Kapseln auch bekam! Wollte ich auch. Kriegte ich auch. Die machen es nur mit. Mit Kapseln, meine ich. Geiles Zeugs, das die so in die Kapseln packen. Schmeckt auch. Sind aber nur zehn Sorten … sagte ich schon, dass ich gelegentlich zu Exzessen neige?

Und, ehrlich gesagt, das Zeug hört auf zu schmecken, wenn man sich die Ökobilanz anschaut.

Also musste so ne schicke schlanke Siebträger-Verführerin her. Hach!

Aber das Vergnügen hielt auch nicht lange – ja klar, weil – die war ohne Mühle. Das war dann der Tag, an dem ich begriff, dass Maschinen nicht der hellsten Sterne Vorbild sind! Mühlen schon eher! Haste ‘ne gute Mühle, haste den Schlüssel fürs Himmelstor! Glaub’s mir!

Und dann kaufte ich mir diese oder jene und landete, Achtung jetzt: Bei einem schnöden Espressokännchen! Weißte, die, wo unten Wasser ‘rein kommt, zwischendrin das Kaffeemehl (nur Anfänger sagen Kaffeepulver!) ist. Und oben kommt dann das schwarze Elixier raus. Hammer!

Wobei, richtig guter, frisch gemahlener Espresso kommt nicht schwarz raus! Das heißt, eigentlich zwar schon, aber der kommt mit Schaum raus. Wenn man den Deckel des Espressokännchens hochklappt, kann man das sehen. Und was man sieht ist eben nicht schwarz, sondern cremig karamellbraun!

Ja, echt. Muss nur frisch und richtig gemahlen sein. Der Espresso, nicht die Maschine! Dummerle!

Ich hab ne Weile gebraucht, den richtigen Mahlgrad auszutüfteln. Alex, auf’m Markt hat mir da gut geholfen. Ist Italiener und hat auf dem Wochenmarkt einen kleinen Espresso-Verkaufswagen. Da kannste auch zum Beispiel Bar-Espresso kaufen. Jedenfalls hat mich der auf die richtige Spur mit dem Mahlgrad gebracht.

Und warum erzähl ich das jetzt alles?

Ach ja, was ich sagen wollte: Ist das nicht interessant, wie man sich willig verführen lässt und erst ganz am Schluss, vielleicht aber auch nie, auf die Idee kommt, dass das nur die falsche Vorstellung ist?

Ein einfaches Espressokännchen, dafür aber den Espresso mit der richtigen Mühle gemahlen, schafft mir einen Hochgenuss, den ich mit keiner der Siebträger-Verführerinnen hingekriegt habe! Hätte ich wahrscheinlich auch, aber nachdem ich rausgefunden hatte, dass mir dieses kleine Kännchen Tag für Tag und immer wieder im selben Maße Hochgenuss serviert, waren sie nicht mehr nötig!

Und ich habe die Auswahl unter unglaublich vielen und wirklich guten Espresso-Marken. Sehr, sehr geil!

Vorstellungen bestimmen unser Leben. Immer. Die Frage ist halt immer: Sind es unsere eigenen?!

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