Grenzen der Vorstellungen

Wenn man mit Leuten redet, die versuchen, ihren Traum zu leben, dann wird man immer wieder die Worte Vorstellungen oder Vorstellungskraft hören.

Es ist ein – im wörtlichen Sinne – magischer Gedanke, sich etwas vorzustellen, an die Vorstellung zu glauben und dann daran zu arbeiten, die Vorstellung zu verwirklichen.

Aber nur selten hört man etwas von den Grenzen der Vorstellungen.

Nehmen Sie einen Fußballspieler, der davon träumt, ein grandioses Tor zu schießen. Er stellt es sich immer wieder vor. Immer wieder. Wenn er am Einschlafen ist oder wann immer sich sonst noch eine Gelegenheit ergibt.

Und dann geschieht es: Bei einem Fußballspiel schießt er, ohne darüber nachzudenken, genau dieses Traumtor … aber richtige Freude will sich nicht einstellen, denn es ist das einzige Tor, das seiner Mannschaft gelingt, die dieses Spiel mit 4:1 verliert.

„Aha,” denkt sich unser Träumer, „das hatte ich nicht bedacht!

Er stellt seinen Traum um und stellt sich jetzt vor, wieder ein noch schöneres Traumtor zu schießen. Dieses Mal aber soll es das alles entscheidende Tor zum Sieg sein.

Beflügelt von seinem vorhergehenden Erfolg, intensiviert er seine Vorstellungen … und, tatsächlich: Es wird wahr!

Eines Tages, seine Mannschaft spielt um den Aufstieg in die nächste Liga, steht es kurz vor dem Ende des Spiels immer noch 0:0 – und dann gelingt es ihm wieder: Ein herrliches Tor zum Sieg. Seine Mannschaft gewinnt und steigt, dank seines alles entscheidenden Tores, in die nächste Liga auf.

Allerdings – in der Umkleidekabine erfährt er, dass seine schwangere Frau einen Unfall gehabt hatte und auf dem Weg in die Klinik verstorben war. Auch für das Kind hatte es keine Rettung mehr gegeben. Seine Frau hatte immer wieder nach ihm gerufen, aber man wusste nicht, wer er war …

Ok, ein bisschen melodramatisch. Das gebe ich gerne zu.

Aber worum es geht, ist, dass man durchaus bekommen kann, was man sich vorstellt. Allerdings – alles hat (s)einen Preis und es kann gut sein, dass man erst hinterher weiß, wie hoch der Preis ist.

Vorstellungen erfassen nie das ganze Bild. Das ganze Bild lässt sich nur mit dem Herzen erfassen, das ist dann aber wiederum zu groß für die kleine Verstandesmaschinerie.

Und doch wird man nicht immer ohne Vorstellungen auskommen können – also seien Sie behutsam mit Ihren Vorstellungen und Wünschen. Sie könnten wahr werden … auf eine Weise, die Ihnen am Ende alles andere als recht ist.

Comments on this entry are closed.